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Pastoral - Carlos De los Ríos

works

Press review

Keine Beruhigungskunst – zum Glück. Der deutsch-kolumbianische Maler, Carlos De los Ríos (1974), ist ein Architekt der Zwischenräume, ein Augenlehrer des Hybriden, ein Entdecker von Welten, die die Leichtigkeit einer Seifenblase, die Farben eines Circus Roncalli und die Schwere einer Mördergewissheit haben. Seine Bilder zeigen seit Jahren die Explosion des Lebens, das in seinem zügellosen Reproduktionseifer, in seinem unbändigen Lauf nicht vermeiden kann, an den Glasmauern des rigor mortis zu zerplatzen und monströse, amöbische Formen anzunehmen. Seine Meister? Bosch, Goya und die Tragödien des alltäglichen Unsinns.

Schon in vergangenen Ausstellungen wie Sweet Kaustik oder Die gelobte Zone war die Auswahl des Titels ein wichtiges Indiz für den Betrachter. De los Ríos wählt den Namen seines Werkes mit dem gleichen Scharfsinn wie er seine Farben bestimmt. Was könnte uns also der Titel Pastoral sagen? Warum hat der Künstler sein Werk mit einem hyperklassischen, ja, fast antiquarischen Kunstbegriff markiert? Pastoral – ein Begriff, der, in deutscher Sprache, sofort an den Kirchenpastor denken lässt – heißt in den romanischen Sprachen und im Englischen vor allem Schäferdichtung, jene in der Renaissance und im Barock erfolgreiche Prothese der bukolischen Tradition. Diese Gattung, die sich auch in der damaligen Malerei bald verbreitet hatte, trieb das fiktive Bild der beschaulichen Hirten ins Extreme – Hirten, die in einer idyllischen Landschaft platziert waren und in konstantem neurotisch-melancholischem Zustand, einer unerfüllten Liebe wegen, sangen.

Was im Betrachten dieser Bilderserie von De los Ríos unmittelbar klar erscheint, ist die Konservierung des landschaftlichen Szenarios aus dem bukolischen Topos. Der Maler hat also den Ort des kurzen, friedlichen Verweilens, den Ort des Singens, für seine Kreaturen ausgewählt. Die Anspielung ist deklariert, aber gerade deswegen ist das Ergebnis umso erstaunlicher. De los Ríos vermeidet nämlich eine einfache, postmoderne Ersetzung der Hirten-Figur mit irgendeinem gut passenden, modischen Kontrast. Er macht die Verwandlung selbst zur Figur und lässt sie spüren und aufscheinen in Symbiose mit der Landschaft.

Das Unheimliche an den Wesen, die solche Räume bevölkern – ein melancholischer Dobermann an der Leine, eine pinkfarbene Eiscreme von einem Giacometti-Kellner serviert, ein peitschendes Kind mit Pillentorso, ein Drache mit einem Entrecôte-Kiefer und ein Menschenschädel mit Kaninchenzähnen u. a. –, entspringt nicht ihrer komischen, albträumerischen Gestalt, sondern ihrer organischen, leiblichen Verneinung des Stabilen, des Abgegrenzten. Nicht das Endprodukt einer Koppelung heterogener Elemente, sondern die Transformation wird gemalt, in seiner fürchterlichen, unendlichen Vielfältigkeit: Dies ist der Sound der ungeheuerlichen Schäfer von De los Ríos.

Text: Dr. Federico Italiano


 

Pastoral - Carlos De los Ríos

No reassurance art – luckily. The German-Colombian painter, Carlos De los Ríos (1974), is an architect of the space, a teacher of the hybrid, a discoverer of worlds which have the ease of a soap bubble, the colors of a Circus Roncalli and the gravity of a murderer's certainty. His pictures show for many years the explosion of life. His masters? Bosch, Goya and the tragedies of the everyday nonsense.

As already showed in his past exhibitions like Sweet Kaustik or the Promised Zone the choice of the title was an important clue for the viewer. De Los Ríos chooses the name of his work with the same brilliancy like the colors in his paintings. What could the title Pastoral say to us? Why has the artist marked his work with a hyperclassical, yes, almost antiquarian art term? Pastoral describes shepherd's poetry at the time of the Renaissance, which was transformed into paintings by quite extreme shepherds scenes - shepherds who were placed in an idyllic scenery and sang in steady melancholy state, because of unfulfilled love.

What seems clear in looking at the picture series of De los Ríos, is the preservation of the scenario of the pastoral theme. For his creatures, the painter selected the place of the short, peaceful stay, the place of melody. The allusion is declared and the result is the more astonishing. De los Ríos avoids a simple post modern substitute of the shepherd's figure with any well suitable, stylish contrast. The transformation becomes the figure and allows to feel and appear in symbiosis with the scenery.

Not the end product of a coupling of heterogeneous elements, but the transformation is painted, in his terrible, infinite diversity: This is the sound of the terrible shepherds of De los Ríos.

Text: Dr. Federico Italiano


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