Euphorisches Teamwork auf drei leeren Wänden
Drei Positionen, drei Generationen, drei Freundschaften: Ulrich Hakel, Andreas Hofer und Olaf Metzel im Kunstraum.
Press review Tiroler Tageszeitung
Von Edith Schlocker
Innsbruck – „Renaissance der leeren Hand“ nennen Ulrich Hakel, Andreas Hofer und Olaf Metzel ihre gemeinsame Ausstellung im Kunstraum. Ein ganz bewusst vieldeutiger Titel, der nicht nur, aber auch mit der Situation des immer wieder am finanziellen Ruin dahinsegelnden Ausstellungsorts zu tun hat.
Der ins Wiener Belvedere emigrierte „alte“ Kunstraum-Leiter Stefan Bidner ist Kurator der Schau, die drei völlig unterschiedliche künstlerische Positionen, Generationen, Intentionen nebeneinanderstellt. Und die trotz aller Kontroversen gut miteinander können, so Ulrich Hakel, der mit 37 Jahren Jüngste des ungleichen Kleeblatts.
Er füllt, wie seine beiden Kollegen auch, im Sinne eines „euphorischen Teamworks“ eine der Wände des Kunstraums. Mit einer Arbeit, die nach dem Ende der Ausstellung wieder verschwinden wird. Ein Luxus, den sich der Kunstraum als nicht kommerziell arbeitende Institution im Sinne eines für die lokale Szene so wichtigen Experimentierfeldes heutiger Kunst leisten kann und muss, so sein neuer Leiter, Veit Loers.
Ulrich Hakel gestaltet seine Wand als riesige Collage. Gepuzzelt aus den in scheinbar unterschiedlichsten Handschriften gezeichneten, gemalten oder geschriebenen Fragmenten. Da taucht etwa ein in kubistischer Manier gemaltes Porträt auf, genauso wie die Karikatur einer Burkaträgerin, ein nostalgisch verschnörkelter Buchstabe oder in medialer Ästhetik gehaltene Chiffren. Reizvoll verschachtelt zu einem in alle Richtungen offenen Bildraum, der vergessen lässt, dass so manche der Codes vom Betrachter nicht eindeutig zu knacken sind.
Total anders ist die Bildwelt des zehn Jahre älteren Andreas Hofer, der sich auf der gegenüberliegenden Wand ausbreitet. „Trans Time“ nennt er seine ebenfalls in situ gemalte bzw. gezeichnete Arbeit, die nur auf einen ersten Blick wie die ins Riesige aufgeblasene Illustration eines vergilbten Märchenbuchs anmutet. Denn schaut man genauer hin, lauert das surreal Metaphorische hinter der fast ornamental zelebrierten Oberfläche. Wird das Rehlein zum kleinen Monster, die Strickerin zur Ahnfrau. Und mitten in dieser brüchigen Idylle schafft sich eine vierte Dimension Platz. In der Form einer in Comicmanier gezeichneten, transzendentalen Erscheinung. Sie fliegt frontal aus dem Bild, direkt auf den Betrachter zu.
Die Frontwand gehört schließlich Olaf Metzel, dem mit 58 Jahren Senior des Dreigespanns. Er ist gleichzeitig auch der radikalste, formal brachialste, inhaltlich politischste von den dreien, indem er „seine“ Wand mit zerbrochenen Glasflaschen löchert. Was als rein skulpturale Installation betrachtet, im Spiel der verschiedenen Glasfarben und Bruchstücke, im Aufeinandertreffen von Hartem und Zerbrechlichem von hohem ästhetischen Reiz ist. Aber gleichzeitig spürt man das Potenzial der Gewalt, das hier so wundersam poetisch zelebriert wird.
Speziell zur Ausstellung haben die drei in
Berlin lebenden Künstler auch eine Serie von Plakaten gestaltet, die
als Edition in einer Mini-Auflage von je drei Stück vom Kunstraum
aufgelegt werden.
Simon Rühle - Dirt

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